Blockchain erobert langsam aber sicher die Wirtschaft

Der Hype vergeht, die Blockchain bleibt, sind sich FH-Prof. DI Mag. Dr. Dominik Engel von der FH Salzburg, und Mario Friedl, Blockchain-Experte und Unternehmer, einig. Sie zeichneten in einer  Veranstaltung der WKS und Fachgruppe UBIT Salzburg ein klares Bild: Hier kommt eine Technologie, mit der...
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Veranstaltung Blockchain, WKS
Blockchain-Veranstaltung in der WKS. Im Bild von links Mag. Hansjörg Weitgasser, CMC, CSE, Berufsgruppensprecher IT (Fachgruppe UBIT), Blockchain-Experte Mario Friedl, Dr. Wolfgang Reiger, CSE, Spartenobmann Information & Consulting, FH-Prof. DI Mag. Dr. Dominik Engel, FH Salzburg

Der Hype vergeht, die Blockchain bleibt, sind sich FH-Prof. DI Mag. Dr. Dominik Engel von der FH Salzburg, und Mario Friedl, Blockchain-Experte und Unternehmer, einig. Sie zeichneten in einer  Veranstaltung der WKS und Fachgruppe UBIT Salzburg ein klares Bild: Hier kommt eine Technologie, mit der zu rechnen ist.

Porsche schützt seine Autos per Blockchain gegen Hacker. Maersk, der größter Container-Transporteur der Welt, will den enormen Papierkrieg bei der Container-Verschiffung mittels Blockchain verringern. Audi testet die Blockchain für sein Vertriebsnetz. Die großen US-Börsen eröffnen Handelsplätze für Kryptowährungen. Die Banken erproben weltweit längst in großen Konsortien, wie sie die Blockchain nutzen könnten. Und viele Branchen – jüngst wurden in einer Studie 36 Wirtschaftsbereiche identifiziert – machen sich zunehmend Gedanken, was da auf sie zukommt, hat doch die Blockchain-Technologie das Potenzial, Zwischenhandel und Vermittler überflüssig zu machen.

Binnen weniger Jahre – 2008 wurde das Grundkonzept unter dem Pseudonym „Satoshi Nakamoto“ veröffentlicht – hat sich weltweit und auch in Österreich eine reichhaltige Blockchain-Ökoszene entwickelt. Für viele Startups sind „Initial Coin Offerings“ (ICO) schon zur Finanzierungsalternative geworden. Analysten schätzen, dass der globale Blockchain-Markt in den nächsten fünf Jahren auf 6 bis 10 Milliarden Dollar anwachsen wird. Das World Economic Forum sagte 2017 voraus, dass schon im Jahr 2025 insgesamt 10 % des weltweiten Bruttoinlandsprodukts mit Hilfe der Blockchain-Technologie abgewickelt werden.

Einfluss auf alle (Wirtschafts-)Prozesse

Ist die Blockchain – im Kern ein über zahllose Rechner verteilter fälschungssicherer kryptografischer Mechanismus, der Transaktionen jeglicher Art ermöglicht – „the next big thing“? Oder dank Bitcoin-Boom nur ein weiterer Hype, der verschwinden wird? „Die Blockchain wird Einfluss auf so gut wie jeden uns bekannten Prozess haben“, erklärte Mario Friedl, Salzburger Unternehmer aus dem IT-Bereich und einer der führenden Köpfe eines umfassenden Netzwerkes von internationalen Software-Entwicklern und Blockchain-Influencern, organisiert im Verband TrustInCoop mit Büros in Salzburg, Wien und Berlin. Deren Ziel: die Schaffung einer „MetaChain“, welche die Defizite der herkömmlichen Blockchain beseitigt.

Für die Blockchain-Technologie spreche allerdings schon jetzt ein hohes Maß an Sicherheit durch Dezentralität und Kryptografie, betonte Friedl: „Doch eine Technologie muss weiterentwickelt werden, sonst hört sie auf, gut zu sein.“ Noch sei die Technologie in der Erprobung, in den nächsten Jahren werde aber die Integration in den Business-Alltag beginnen. Dazu müssten jedoch die offensichtlichen Probleme der Blockchain, wie ein zu hoher Energieaufwand und eine noch zu langsame Validierung von Blöcken für umfassende Anwendung gelöst, werden.

Das Motiv der leichteren Anwendbarkeit in der Wirtschaft und eines energieeffizienteren Minings der „Coins“ und „Tokens“ leitet Friedls Projekte rund um die Entwicklung einer „MetaChain“ an. Hier kommen, vereinfacht ausgedrückt, bei der Blockbestätigung neben Rechenzentren auch Smartphones ins Spiel, die kleinere Rechenaufgaben gegen Gebühr übernehmen können. Erforscht und gebaut werden auch kühlbare Minings-Rigs, die den bisherigen Energieverbrauch enormen senken könnten. Weiters sind eine Reihe von Wirtschafts-Projekten in der Pipeline, wie Friedl berichtete: die Entwicklung eines „Cryptomaten“, der Ausbau von „Green Mining“ in Kooperation mit Energieversorgern, ein eigener Marktplatz für Kryptowährungen und Schulungen. Friedls Prognose: „Die Blockchain wird jeden Menschen direkt oder indirekt betreffen“.

Vielversprechend, aber nicht nur alle Anwendungsfälle

Ganz konkret haben mit der Blockchain bereits Köstendorfer Haushalte zu tun. Dort testen derzeit der Verbund und die Salzburg AG den Austausch von Energie via „privater“ Blockchain. Im Projekt „Mieterstrom“, bei dem die FH Salzburg Technologiepartner ist, geht es darum, von privaten Fotovoltaik-Anlagen erzeugten Strombezugsrechte zwischen Mietern oder Hauseigentümern auszutauschen.

FH-Prof. DI Mag. Dr. Dominik Engel, Leiter des Zentrums für sichere Energie-Informatik an der FH Salzburg: „Das Projekt läuft auf einer privaten Blockchain, die wir entwickelt haben“. Jeder Teilnehmer im Mehrparteienhaus ist mit seinem Rechner „Miner“. Mit einer App werden dabei Sonnenstromanteile aus der gemeinsamen Haus-PV-Anlage, wenn von dem einen Mieter nicht benötigt, einfach auf einen anderen Mieter übertragen, statt ins Stromnetz eingespeist zu werden. Abgerechnet wird über die Salzburg AG. „Die Energiewirtschaft ist sicher einer der Anwendungsfälle für die Blockchain“, ist Engel überzeugt. Die Blockchain komme sinnvollerweise immer dann ins Spiel, wenn eine zentrale Lösung zu ineffizient oder zu teuer ist oder hohe Transaktionskosten von Vermittlern vermieden werden sollen. Auf keinen Fall sei die Blockchain aber ein Ersatz für Datensicherheit oder Verschlüsselung. Sie schützt auch nicht vor Datendiebstahl. „Die Technologie ist schon sehr vielversprechend. Wir werden in der Zukunft viele Anwendungsfälle sehen, bei denen die Blockchain die Basistechnologie bildet“. Zurzeit herrsche allerdings der starke Glaube, dass die Blockchain alles lösen könne. „Das wird sich in der nächsten Zeit konsolidieren.“ Allerdings meinte auch FH-Forscher Engel: „Die Blockchain ist gekommen, um zu bleiben.“

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Blockchain 27. Juni 2018

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