UBIT Jahresauftakt 2026: Unordnung in der Weltwirtschaft
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Wie behaupten wir uns in Zeiten radikaler Unsicherheit?
„Ein Abend im Zeichen der Weltpolitik“, leitet Moderatorin Katrin Prähauser den Abend ein. „Viele Regeln, die Jahrzente lang gegolten haben, gelten häufig nur noch bis zum nächsten Tweet“. Mit diesen Begrüßungsworten befanden sich die Teilnehmenden des UBIT Jahresauftakts 2026 im Kavalierhaus Klessheim Salzburg bereits mitten im Thema des Abends.
Im Fokus der Veranstaltung am 22. Jänner stand die Frage, wie Resilienz gestärkt und Wohlstand in Zeiten geopolitischer Unsicherheit gesichert werden kann. In seiner Keynote analysierte Univ.-Prof. Gabriel Felbermayr die tiefgreifenden Umbrüche in der Weltwirtschaft und warnte vor einer zunehmenden Abkehr vom regelbasierten internationalen Handel hin zu einem „Recht des Stärkeren“. Dieses neue Turnierdenken sei geprägt davon, Machtasymmetrien gezielt auszunutzen – aktuell deutlich erkennbar in der Handelspolitik der USA. Besonders Europa sei aufgrund struktureller Abhängigkeiten, etwa in der Digitalwirtschaft, verwundbar.
Europa im globalen Wandel
„Die Welt hat sich verändert, radikal und schnell – und nicht alle haben das verstanden. Die Zeiten, in denen Europa in der Weltwirtschaft vorne mit dabei ist, sind vorbei“, so Univ.-Prof. Felbermayr. Die Weltordnung hat sich in den letzten Jahren grundlegend gewandelt – nicht erst seit der Corona-Pandemie oder dem Ukraine-Krieg, sondern bereits seit der Weltfinanzkrise 2008 entwickelt sich die europäische Wirtschaft nicht mehr mit der früheren Kraft und Geschwindigkeit. In dieser Zeit hat Chinas Wirtschafts- und Exportleistung hingegen stark zugenommen.
Diese Entwicklungen führten zunehmend zu einer weltweiten Rivalität und zu Blockbildungen entlang ideologischer Linien. Zölle, Handelshemmnisse und andere wirtschaftspolitische Maßnahmen würden dabei verstärkt als Druckmittel oder auch als Mittel gegen eigene Schulden eingesetzt.
Was kann Europa tun?
- „Size matters“: Den EU-Binnenmarkt gezielt stärken und strategische Koalitionen eingehen.
- Europa als „Safe Haven“ positionieren: Stabilität, Verlässlichkeit und Rechtssicherheit als Standortvorteile ausbauen.
- In Verteidigungsfähigkeit investieren, ohne Krieg zu führen: Eine glaubwürdige Abschreckung ermöglichen.
- Haltung zeigen: Europa ist widerstandsfähiger, als wir denken – dieses Selbstbewusstsein gilt es klar zu kommunizieren.
Mit Mut aus der Krise
Auch zu den kürzlich beschlossenen Budgetmaßnahmen in Österreich nahm Univ.-Prof. Gabriel Felbermayr Stellung. Diese seien zwar ein notwendiger Schritt, reichten jedoch nicht aus, um die strukturellen Herausforderungen nachhaltig zu bewältigen. Vielmehr seien tiefgreifende Erneuerungen in Wirtschaft und Standortpolitik erforderlich. Dafür sei ein gewisses Maß an Mut notwendig – bloßes Vermeiden oder Aufschieben helfe weder dem Land noch komme es bei den Wähler:innen gut an.
Insgesamt fiel die Botschaft des Abends keineswegs negativ aus. Auch wenn die globalen Entwicklungen herausfordernd sind, die Wirtschaft weiterhin instabil ist und entschlossenes Handeln erforderlich bleibt, zeigt sich, dass Österreich widerstandsfähiger ist, als oft angenommen. Wer konstruktiv mit Unsicherheit umgehen kann und positiv bleibt, gehöre zu den Gewinnern.
Die UBIT als Wissensdienstleister
Hansjörg Weitgasser, Fachgruppenobmann UBIT Salzburg, unterstrich die Rolle der Fachgruppe in diesem Kontext: „Wir sind Wissensdienstleister. Wir müssen Transformation früh erkennen, um Chancen zu nutzen, Veränderungen zu managen und bei Unternehmen ankommen zu lassen.“ Er schloss den Abend mit den Worten: „Trotz der Unsicherheit sollten wir positiv bleiben. Es geht darum, Innovationen in Österreich voranzutreiben und wir Berater sind die Katalysatoren, die Mut in das System bringen können.“
Im Anschluss nutzten die Gäste die Gelegenheit, beim Buffet ins Gespräch zu kommen, Kontakte zu vertiefen und neue Netzwerke zu knüpfen – ein gelungener Ausklang eines erkenntnisreichen Abends.
Über Univ.-Prof. MMag. Gabriel Felbermayr, PhD
Univ.-Prof. MMag. Gabriel Felbermayr, PhD ist Direktor des Österreichischen Institutes für Wirtschaftsforschung (WIFO) in Wien und Universitätsprofessor an der Wirtschaftsuniversität Wien (WU). Er ist außerdem Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des deutschen Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz, Vorsitzender des Statistikrats der Statistik Austria und Gründungspräsident des "Austria Supply Chain Intelligence Institute" (ASCII). Seine Forschungs- und Beratungstätigkeit konzentriert sich auf Fragen der internationalen Handelstheorie und -politik, der Arbeitsmarktforschung, der europäischen Wirtschaftsintegration und auf aktuelle Themen der Wirtschaftspolitik.
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